Dub Spencer and Trance Hill – eine Vorstellung mit integriertem Livebericht

Dub Spencer and Trance Hill – eine Vorstellung mit integriertem Livebericht

“Wub wub wub wooooohooooo badumm badumm wubwubwub“ so oder ähnlich hört sich ein Dub-Konzert an und auf so einem war ich gestern einmal.

Dub? Dub live, mag sich einer an dieser Stelle fragen? Hat so etwas Sinn? Zumindest könnte man so meine ersten Gedanken darüber bezeichnen, als man mich fragte, ob ich nicht Lust hätte. Faul wie ich bin, habe ich spontan erst einmal nein gesagt und bin erst unter Drängen und Nerven einiger Mitglieder der Vorband sowie anderer Bekannter (“Du kommst mit!“) hingegangen.

An dieser Stelle sollte ich vielleicht noch einmal kurz erwähnen was man eigentlich unter Dub versteht.

Dub-Musik hat seine Ursprünge in der Reggae-Musik und deren Produzenten. Diese nahmen alte Reggae-Scheiben her, regelten die Gitarren herunter, den Bass herauf und versetzten diese anschließend mit allerlei Effekten wie Hall. Das Endprodukt war dann meist ein recht eigensinniger, in sich verschlungener Track, der aus lauten und vor allem rhythmischen Bassanschlägen, einer dominierenden Percussion-Section und viel Elektronik-Firlefanz bestand. Zu den klassischen Größen gehörten zum Beispiel Agustus Pablo und Lee Parry. Kurz: Super zum Tanzen bis zur Ekstase und zum “Chillen“.

 

Augustus Pablo

Nun gibt es aber auch noch Dub Spencer und Trance Hill… Dub Spencer sind eine kleine verschworene Truppe aus der Schweiz, aus Zürich um genau zu sein. Dub Spencer spielen Dub wie ihr Name sagt, nur “spielt“ man ja Dub normalerweise nicht. Nun hier dachten sie sich, dass sie das ändern und machten es einfach. Bestehend aus Schlagzeug, K-Board/Orgel, E-Bass,(ursprünglich ohne) E-Gitarre und E-Banjo zogen die Schweizer los den “Wilden Westen“ wo es nur geht zu bespielen und um als “Supercops“ sowie für Ordnung als auch Dub zu sorgen.

links nach rechts: Drums, Keys,Bass, Guitars – top: sound engineer

Nun gut so einfach ist es dann auch nicht, ohne kräftige Unterstützung von Effektgeräten – der Gitarrist hatte an die 20(!) , einem sehr fähigem Mischer würden die Jungs dann doch nur Reggae spielen. Dennoch, Dub Spencer, die jetzt kommt die Überraschung, sich nach den Bud Spencer und Terrence Hill-Filmen benannt haben, sind etwas Besonderes. Sie spielen nicht nur Dub (mit echten Instrumenten und live), nein, sie verknüpfen diese Art von Musik auch noch mit allerlei spaßigen anderen Stilrichtungen. So kommt es nicht selten vor, dass plötzlich nahezu Disco-Feeling in der Halle herrschte oder man fast schon an ein Rock/Metal-Konzert erinnert wird, da einige Langhaarige das Headbangen beginnen. Aber eines haben alle Dub Spencer-Songs gemein: Den Wilden Westen, Saloon-Atmosphäre, die heiße brennende Sonne und einen fetten, fetten Pot Gras.

Das ist übrigens immer noch nicht alles, was ihren Nahezu-Kultstatus begründet, hat man sich nämlich auch noch den Spaß gemacht ein Cover-Album mit tollen Tracks wie Jeanny von Falko oder Enter the Sandman von Metallica aufzunehmen.

Disco!

Jeanny…

Wie schon erwähnt konnte ich mir also kein Dub-Konzert vorstellen, aber das war nicht nur wegen der Spielart, das hatten Dub Spencer ja wunderbar umschifft, nein der Grund war viel dämlicher: Das ist langsam, das ist ohne Gesang, das ist Tanz- und Feier-Musik. Nun gut hierbei sei gesagt, dass ich zum Übertreiben neige und ich auch noch langsamere Musik (FUNERAL DOOM METAL), ohne Gesang (Instrumental Post-Rock) und aus der Dose schon live geil fand (Kalkbrenner). Dennoch Dub hatte und hat für mich etwas was sich mehr für eine Party und nicht für ein Livekonzert gehört und bei jedem anderen Interpreten wäre es mir wohl so gegangen. Nur sind die Jungs von Dub Spencer nicht irgendwer, sondern eben die Supercops und die Supercops hauen eben auch mal den Song Supercops aufs Parket und bringen eine Horde langsam vor sich hinschlurfender Dub-Menschen zum abfeiern und aufwachen. Da packt der Gitarrist auf einmal plötzlich anstelle des Effektgerätes Soli aus und das eben noch einschläfernde Bow Bow des Basses knattert nur vor Energie.

Der Vollständigkeit halber möchte ich an dieser Stelle noch den Ablauf des Konzertes, von dem ich die ganze Zeit rede, rekonstruieren: Vorband tritt auf und heizt ein wenig ein, ganz cool, aber nicht zu gut. Dub Spencer kommt und chillt eigentlich nur vor sich hin und das bis auf ein zwei Highlights. Aber die Menge tanzt stumm an der Stelle weiter. Dub Spencer geht nach gefühlten 4 Stunden Slowmotion-Dance von der Bühne – Zugaberufe. Sie kommen zurück. Nun sollte man langsam lautere Töne anschlagen. Sie hören nochmals auf, doch(!) das Bier ist noch nicht da… also nochmal auf die Bühne und ein noch ekstatischeres Lied, was den einst träumerisch verspielten Konzertsaal in eine heiße Disko verwandelt. Aber nicht irgendeine Disko, nein eher so 70er/80er Jahre, nur eben nicht so schwul. Nachdem man nun auch die letzte Zugabe gegeben hat ist das Bier übrigens schließlich da und alle gehen – wieder wach – nach Hause.

Live bääääm

Fazit: Metal und Dub Spencer-Konzerte sind im Prinzip das vollkommene Gegenteil. Während ein Metalkonzert am Anfang laut ist und gen Ende (abgesehen von den Zugaben) eher leise wird und versucht den Zuschauer auspowern, chillt man hier lieber am Anfang und narkotisiert seine Fans. Und ja am Ende, das Ende ist richtig klasse: Hier dreht man nämlich auf und bringt alles was man so drauf hat. Man reißt den Zuschauer aus seinen süßen Träumen und versucht ihn lauthals endlich mal zum Gehen zu bewegen (– zu doof wenn eben jemand auch Metal mag ahaha). Und wenn das Bier übrigens nicht da ist, da spielt auch keine Metalband… und wenn es alle ist, ist es das Konzert in der Regel auch. 

Aber was sage ich denn jetzt dazu, dass Dub nicht live-tauglich ist? Nun es ist es, definitiv, aber es kann zeitweise schon sehr einschläfernd sein und man muss (als Nicht-Hardcore-Fan) wirklich in der Stimmung sein. Spaßig wäre es sicher gewesen dies mit entsprechend atmosphären-steigernden Mitteln zu genießen.

Last.Fm-Link hier

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